Häufige Schreibfehler an der Uni: 15 schnelle Lösungen für klarere Texte

Für Studierende und alle, die im Deutschen präzise schreiben möchten

Wenn du schon einmal Punkte wegen unklarer Sätze, wackeliger Struktur oder schlampiger Nachweise verloren hast, bist du nicht allein. Meist fehlen nicht Ideen, sondern Routinen: zu lange Schachtelsätze, vage Formulierungen, falsche Kommas oder hektische Last-Minute-Korrekturen. Die gute Nachricht: Hinter jedem häufigen Fehler steckt eine einfache, wiederholbare Lösung. Diese Anleitung trennt zuerst das Große (These, Aufbau, Belege) vom Kleinen (Grammatik, Interpunktion, Stil) – und liefert anschließend 15 konkrete Schnellkorrekturen, die du sofort umsetzen kannst.

Schnellüberblick: Erst Struktur, dann Feinschliff

In Begutachtungen wiegen These, roter Faden und Absatzlogik oft schwerer als perfekte Zeichensetzung. Plane darum zuerst die Aussage jedes Abschnitts, belege sie sauber und poliere erst dann die Sätze. Eine komprimierte Orientierung zu Aufbau, Gliederung und Arbeitsprozess findest du im Leitfaden wissenschaftliches Arbeiten der Universität Trier (PDF).

Struktur und Klarheit

1) Schachtelsätze entflechten

Trenne Hauptgedanken. Faustregel: eine Kernaussage pro Satz. Prüfe lange Sätze auf Nebeninformationen – was als Nebengedanke taugt, wird ein eigener Satz oder rückt in den nächsten Absatz.

2) Absätze mit klarer Themensatz-Logik

Starte mit der Punkt-Aussage des Absatzes, dann Belege/Beispiele, danach eine kurze Folgerung. So bleibt die Argumentkette sichtbar.

3) Sätze korrekt verbinden

Zwei Hauptsätze brauchen Punkt, Semikolon oder eine Konjunktion. Ein bloßes Komma reicht nicht. Beispiel: „Die Ergebnisse waren überraschend. Die Studie wird repliziert.“ oder „Die Ergebnisse waren überraschend, deshalb wird die Studie repliziert.“

4) Bezüge präzise setzen

Stell Bezugswörter nah an das, was sie bestimmen. „Als Studierende solltest du Quellen kritisch prüfen“ ist klarer als „Als Studierende sind Quellenkritik und Genauigkeit wichtig“.

5) Übergänge nutzen

Leite Gedanken: erstens, außerdem, hingegen, folglich, zusammenfassend. Mini-Signale halten den Lesefluss – besonders zwischen Absätzen.

Grammatik und Gebrauch im Deutschen

6) das/dass sicher unterscheiden

„Dass“ leitet Nebensätze ein, „das“ ist Artikel oder Pronomen (ersetzbar durch „dieses/jenes/welches“). Bei Unsicherheit hilft der Überblick im Duden: das oder dass?

7) Kommas bei Infinitivgruppen und Nebensätzen

Infinitivgruppen brauchen häufig ein Komma (z. B. bei Ankündigungswörtern wie „um“, „ohne“, „statt“ oder wenn ein Korrelat vorausgeht). Eine anschauliche Regelzusammenfassung bietet der Duden unter Komma bei Infinitivgruppen.

8) Getrennt- und Zusammenschreibung

Schreibe feste Einheiten zusammen, wenn sie eine neue Gesamtbedeutung tragen (z. B. „zusammenarbeiten“, „teilnehmen“). Prüfe im Zweifel im Wörterverzeichnis; maßgeblich ist das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung (PDF).

9) Groß- und Kleinschreibung

Nomen groß, Verben und Adjektive klein – Ausnahmen gelten etwa bei substantivierten Verben („das Lesen“). Achte in Überschriften auf einheitliche Hausstil-Vorgaben.

10) Wortstellung in Nebensätzen

Im Nebensatz steht das finite Verb am Ende: „…, weil die Datenlage begrenzt ist.“ Prüfe Sätze auf verdeckte Nebensätze nach „dass“, „weil“, „obwohl“, „wenn“.

11) Zahlen, Maße, Prozent

Im Deutschen sind Komma-Dezimaltrennzeichen üblich (3,14) und ein geschütztes Leerzeichen vor Prozent und Einheiten sinnvoll (20 %, 5 km). Halte dich an die Vorgaben deines Fachbereichs.

12) Zeichensetzung bei Aufzählungen

Kommas trennen Einzelelemente; ein „Oxford-Komma“ ist nur in Spezialfällen nötig. Bei Gleichrangigem helfen Doppelpunkt oder Spiegelstrichliste für bessere Lesbarkeit.

13) Klare Pronomenbezüge

Unklare „dies/der/das“-Verweise vermeiden. Wiederhole im Zweifel das Substantiv – Klarheit schlägt Sparsamkeit.

14) Nominalstil entschlacken

Statt „Durchführung der Implementierung“ besser „etwas implementieren“. Verben machen Texte kürzer und direkter.

15) Füllwörter und Floskeln reduzieren

Streiche Weichmacher („eigentlich“, „gewissermaßen“, „in gewisser Hinsicht“) und Phrasen („im Grunde genommen“). Ersetze Bewertungen wie „interessant“ durch messbare Kriterien („methodisch solide“, „datenarm“, „ressourcenintensiv“).

Belege, Logik und Zitieren

Quellen sinnvoll integrieren

Zusammenfassen für Überblick, paraphrasieren für Nuancen, zitieren nur, wenn die Formulierung selbst zentral ist. Setze nach jeder übernommenen Idee einen Nachweis; zitiere wörtlich mit Seitenzahl. Eine kompakte Einführung bietet der Leitfaden für korrektes Zitieren der LMU München.

Wissenschaftliche Integrität

Richte dich nach den Regeln deiner Hochschule und nach dem Kodex für gute wissenschaftliche Praxis (Plagiate vermeiden, sauber arbeiten, Quellen dokumentieren). Orientierung gibt der DFG-Kodex; viele Fachbereiche verweisen ausdrücklich auf dessen Leitlinien.

Arbeitsprozess: So vermeidest du Fehler systematisch

Mini-Plan statt Blindstart

Skizziere auf fünf Zeilen: Ziel der Arbeit, drei Hauptargumente, Fazit. Diese Mini-Gliederung hält Absätze auf Kurs.

Gezielte Korrekturrunden

Nicht alles auf einmal. Lies in Bahnen: (1) Inhalt/Struktur, (2) Absatzfokus/Themensätze, (3) Satzklarheit und Wortstellung, (4) Grammatik/Kommas, (5) Quellen/Seitenzahlen.

Pausen und laut lesen

Mit Abstand fallen eigene Fehler schneller auf. Lies heikle Passagen laut – holprige Stellen hörst du sofort.

Timing kurz vor der Abgabe

48 Std. vorher Rohfassung, am Folgetag Struktur-Revision, am Abgabetag Feinschliff. So bleibt Platz für Korrekturen und Quellencheck.

Werkzeugkasten: 45-Minuten-Revision

  1. 10 Min Reverse-Outline: zu jedem Absatz eine Zeile – passt die Reihenfolge?
  2. 10 Min Themensätze: Aussage klar voranstellen.
  3. 10 Min Satzklarheit: lange Sätze teilen, Übergänge ergänzen.
  4. 10 Min Fehlerschwerpunkte: Kommas, Getrennt-/Zusammenschreibung, Groß-/Kleinschreibung.
  5. 5 Min Nachweise: Zitate/Seitenangaben prüfen, Literaturverzeichnis angleichen.

KI sinnvoll einsetzen

KI-gestützte Helfer können Formulierungsalternativen vorschlagen, Schachtelsätze kürzen oder Tonlagen testen. Nutze solche Tools, um Text umschreiben zu lassen – die inhaltliche Verantwortung bleibt bei dir: Bedeutung checken, Fachtermini korrekt halten, Quellen sauber nachweisen. Für Rechtschreibung und Normen sind weiterhin maßgeblich das Amtliche Regelwerk sowie die hausinternen Vorgaben deines Studiengangs.

Checklisten zum Mitnehmen

Meningsklarheit

  • Eine Kernaussage pro Satz
  • Verbstellung in Nebensätzen korrekt
  • Schachtelsätze auftrennen, Übergänge ergänzen

Stil

  • Nominalstil reduzieren, starke Verben nutzen
  • Vage Adjektive durch Kriterien ersetzen
  • Füllwörter streichen

Quellen

  • Jede fremde Idee belegt (Paraphrase/Zitat)
  • Wörtliche Zitate mit Seitenzahl
  • Einheitliches Zitierformat gemäß Studiengang; als Einstieg hilft der Leitfaden der LMU (Link siehe oben)

Fazit

Die meisten Punktabzüge stammen nicht von fehlendem Wissen, sondern von reparierbaren Gewohnheiten. Dreh die Reihenfolge um: Zuerst These, Gliederung und Absatzlogik festziehen, dann Sätze glätten. Verkürze Schachtelsätze, platziere Bezüge sauber, setze Kommas sicher, reduziere Nominalstil und benenne Quellen konsequent. Mit einem festen Korrekturprozess und wenigen verlässlichen Referenzen – etwa dem Duden-Ratgeber zu das/dass und dem Uni-Trier-Leitfaden – werden Entwürfe schnell zu lesbaren, bewertbaren Texten.

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